Steirisches Landhuhn

Steirisches Landhuhn

Einer der Vertreter das mitteleuropäischen Landhuhns ist das "Steirische Landhuhn" oder "Steirerhuhn", das vor allem wegen seiner Fleischqualität und seiner Legeleistung bekannt war.
In den raueren Gebirgslagen der Steiermark wurde das leichte Landhuhn der Ostalpen bereits im 19. Jahrhundert „Steinhendl„ oder „Stoapipperl„ genannt.

Ursprungsgebiet der Steirerhühner

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet das Steier Huhnes erstreckte sich über das heutige Slowenien, zwischen den Flüssen Mura und Sava (früher Untersteiermark) sowie dem damals südlichen Teil Österreichs (früher Obersteiermark).

Ursprungsgebiet Steirisches Landhuhn
Ursprungsgebiet Steirisches Landhuhn

Der steirische Kapaun

Steirische Kapaune 1897
Steirische Kapaune 1897

Die Steiermark war schon frühzeitig für ihr Geflügel bekannt.
Ursprünglich genoss der steirische Kaupaun eine Beliebtheit weit über die Grenzen Österreichs hinaus, was auch aus dem Artikel über die Gründung des steiermärkischen Geflügelzuchtvereins (1879) hervorgeht.
Erste Erwähnungen gehen bisauf das 14. Jahrhundert zurück. Weitere urkundliche Erwähnungen stammen aus dem 17.
und 18. Jahrhundert.

Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert galt Geflügel aus der Steiermark als besondere
Spezialität. Der steirische Kapaun war wegen seiner Größe und der besonderen Zartheit
seines wohlschmeckenden Fleisches weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt.
So wurden mehrere 100.000 Stück nach ganz Europa geliefert, wo sie an den großen
Fürsten-, Königs- und Kaiserhäusern verspeist wurden. Das führte zum Namen
„Kaiserhuhn“.

Im 19. Jahrhundert bildeten die Geflügelhändler eine eigene Gilde die „Kapaun-Fratschler“.
Daran erinnert noch heute der „Kapaunplatz“, ein Seitenarm des Franziskanerplatzes in
Graz, an dem sie ihre Geschäfte betrieben.

Sogar zur Feier der Krönung von Kaiser Napoleon im Jahr 1804 in Paris wurden neben
anderem Geflügel 150 Kapaune und 50 Hühner vom steirischen Landesamt geordert.
Zwischen 1840 - 1860 bildete die Hühnerzucht in der Steiermark einen wichtigen Zweig der
Landwirtschaft. Sie wurde vor allem in den Maisanbaugebieten betrieben, da Mais zur
Geflügelmast verwendet wurde. Der züchterische Schwerpunkt lag im Umkreis von Graz,
insbesondere in den Bezirken Graz-Umgebung, Wildon, Leibnitz, Mureck, Arnfels, Eibiswald,
Deutschlandsberg, Stainz und Voitsberg. Die Vermehrung, Pflege und Mast der Hühner
lagen meist in den Händen der Bäuerinnen. Pro Haushalt wurden durchschnittlich zehn
Hühner gehalten.
In dieser Zeit gelangten jährlich etwa 20.000 Exemplare nach Wien und damit an die Höfe
der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Das "deutsch-steirische Landhuhn"

ab 1850 Verdrängung und Einkreuzung

Viele Jahre lang wurde das Steirer Huhn so erhalten, wie es sich seit jeher unter natürlicher Selektion in den Regionen entwickelt hatte. Ab etwa 1850 kam es zur Einführung fremder Hühnerrassen, durch die man sich eine Erhöhung der Wirtschaftlichkeit erhoffte.

Als vermehrt gewerbsmäßige Geflügelzucht in sogenannten Geflügezuchtanstalten betrieben wurde setzte man auf Rassen wie Spanier, Houdans, Dorkings, Crève Coeurs, La Flèches, Cochin, usw...
Leider wurde auch die Meinung verbreitet man müsse die hierzulande ansässigen Landhühner mit diesen Rassen kreuzen um deren Leistungsfähigkeit zu verbessern, wie im nachstehenden Artikel aus der "Wiener landwirtschaftliche Zeitung" vom 25. Jänner 1879 nachzulesen ist:


Zuchtwahl der Hühner 1892
Zuchtwahl der Hühner 1892


So waren in damaligen Zeitungen auch nur folgende Inserate von Geflügelzüchtern zu finden:

1879 Gründung des stmk Geflügelzuchtvereins

Gründung des stmk Geflügelzuchtvereins
Gründung des stmk Geflügelzuchtvereins

1902 Fachtagung über das Steirische Huhn

1902 organisierte der steirische Landwirtschaftsverein eine Fachtagung über das Steirische Huhn. Im Rahmen dieser wurden unter anderem die Vorzüge der Rasse betont und der Entschluss gefasst, bei der Geflügelzucht fortan auf die Einfuhr fremder Rassen zu verzichten und stattdessen wieder zur altbewährten steirischen Landeszucht zurückzukehren. Daraufhin wurde das steirische Landhuhn die Grundlage der Eier- und Fleischproduktion in der gesamten Steiermark.

Emanuel Martiny und Armin Arbeiter

Einige Geflügelzüchter, unter anderem Emanuel Martiny und Armin Arbeiter, erkannten schon sehr früh das Potential der alten Rasse und machten es sich zum Ziel mit den noch erhaltenen reinen Blulinien das alte ursprüngliche Steirerhuhn wieder herauszuzüchten und Kreuzungstiere zu verdrängen. Damals waren unter den steirischen Hühnern zwei Schläge deutlich unterscheidbar: ein leicht gebauter Legeschlag, der hauptsächlich im steirischen Gebirgsland gezüchtet wurde und ein schwerer Schlag, der in den Tälern der Untersteiermark, im Sappau- und Sulmtal beheimatet war. Beide Schläge wurden rein weiter gezüchtet. Den leichteren Schlag nannte man Altsteirer Huhn, den schweren Schlag Sulmtaler Huhn.

1908 Büchlein von Armin Arbeiter

Einträgliche Hühnerzucht von Armin Arbeiter
Einträgliche Hühnerzucht von Armin Arbeiter

Hier findest du das Buch von Armin Arbeiter: Einträgliche Hühnerzucht - praktische Anleitung zur Leistungszucht mit Fallennestern
von 1908

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